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Agassi vs. Sampras: Wenn Rivalität zu weit geht
Die Charity-Veranstaltung "Hit for Haiti" vom Freitag sorgt immer noch für Schlagzeilen – allerdings der negativen Art.

Die Duelle zwischen Pete Sampras und Andre Agassi haben ihren festen Platz in der Tennis-Geschichte. Unschöne Auswüchse der Rivalität zwischen den US-Legenden waren jedoch am Freitag in Indian Wells zu sehen – und das ausgerechnet bei einer Charity, die mehr als eine Million Dollar für die Opfer des schweren Erdbebens in Haiti zusammenbrachte. Im Rahmen der Veranstaltung traten in einem Doppel Sampras mit Roger Federer und Agassi mit Rafael Nadal gegeneinander an. Ehe es im neunten Game beim Spielstand von 4:4 zum Eklat kam – einer, der besonders die US-Medien noch heute beschäftigt.
Pete, der schlechte Trinkgeld-Geber
Es fing relativ harmlos an. Sampras wollte etwas Abwechslung ins Spiel bringen und imitierte zwischen zwei Ballwechseln den für Agassi typischen watschelnden Gang. Die Revanche dafür folgte postwendend. Agassi wühlte in seinen Hosentaschen, holte den Stoff hinaus und stammelte "Ich hab kein Geld. Oh, halt, warte, ich hab einen Dollar." Eine Anspielung auf Agassis im letzten Jahr erschienene Autobiographie "Open", bei der "Pistol Pete" in einer Anekdote als äußerst knauserig dargestellt wird: Ein Bediensteter soll dem "Paradiesvogel" erzählt haben, dass Sampras ihm nach einem Besuch im selben Restaurant, dem Vernehmen nach in Indian Wells, einen mickrigen Dollar Trinkgeld gegeben habe.
"Pistol Pete" schießt auf den "Paradiesvogel"
Die Anspannung war nach dieser Aussage mehr als spürbar – außer für Nadal, der zumindest später vorgab, wegen seiner mangelhaften Englisch-Kenntnisse nicht viel mitbekommen zu haben. Sampras versuchte jedenfalls, seinen Ärger über Agassi zu überspielen, Federer wollte beruhigen und das Spiel wieder aufnehmen. Das tat Sampras dann auch. Doch der 14-fache Grand-Slam-Sieger servierte nicht auf den wartenden Nadal, sondern scharf in die Richtung von Agassi, der dem Ball mit Mühe ausweichen konnte. "Ist das die Art, auf die du spielen willst?", fragte Sampras – scherzhaft und doch mit ernstem Hintergrund. Agassis Konter: "Besser als ein Chauffeur zu sein und du kreuzt auf." Nach einigen weiteren Wortgefechten ging das Spiel weiter, Sampras und Federer gewannen am Ende mit 8:6.
Agassi: "Das war unangebracht"
Am Montag meldete sich Agassi dann beim US-Fernsehsender ESPN und entschuldigte sich für sein Verhalten. "Das war unangebracht von mir", so der Ehemann von Steffi Graf, "ich wollte komisch sein und hatte nur Sekundenbruchteile, um eine Entscheidung zu treffen – und ich hab's gemacht. Ich wollte das dann hinter mir lassen, aber das hat Pete nicht so wirklich zugelassen." Der 39-Jährige merkte zerknirscht an: "Zerkugelt hat sich Pete über das alles nicht. Ich hab ihm bereits geschrieben und ihn gefragt, ob ich mich bei ihm persönlich entschuldigen kann." Bleibt abzuwarten, ob Sampras Agassi eine Antwort gibt – und ob die Öffentlichkeit dem "Paradiesvogel" nach dessen extrem polarisierendem Buch erneut vergibt.
Ein Video der Vorkommnisse gibt es unter www.youtube.com
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