Eintrag 514, Mittwoch, 24. Februar, Dubai

Dieser Cilic ist wirklich gut, Hut ab. Den zweiten Satz hätt ich trotzdem gewinnen müssen.

Die ersten neun Games heute waren mehr als einseitig: Bis 6:2 und 1:0 für ihn - mit Break - war das einfach zu gut für mich. Cilic hat enorm schnell und flach gespielt, lang, genau, da war locker eine Klasse Unterschied. Dann ist mir aber irgendwie das Rebreak zum 1:1 gelungen, und damit hat dann ein Tennismatch begonnen, an dem zwei Spieler teilnehmen.

Er war zwar weiterhin der bessere Spieler, aber ich hab ihn ordentlich ärgern können. Ich hab seinen zweiten Aufschlag mit viel Risiko attackiert, hab zwischendurch extrem das Tempo gewechselt, hab's mit langen, hohen Spins probiert. Das hat auch ganz gut funktioniert - obwohl es schon ein Wahnsinn ist, wie anders das Tennis von diesen jungen Burschen ist: Volle Kanne auf jeden Ball, der schießt auch Winner von ein, zwei, drei Metern hinter der Grundlinie.

Zwischendurch hab ich mir gedacht: Der Kerl da drüben ist zwölf Jahre jünger als ich, zwölf Jahre, ein Wahnsinn. Das ist wirklich ein komplett anderes Tennis als das aus meiner Generation.

Bei 5:5 servier ich, fhre 40:0 und verliere das Game trotzdem noch. Obwohl ich keinen wirklich argen Fehler gemacht habe. Er hat da wirklich zum Teil sensationelle Bälle gespielt. Das war natürlich bitter. Aber ich hab dann wieder super retourniert, 6:6, Tiebreak. Und auf einmal: 5:0 Koubek, wenig später 6:3. Natürlich muss man nach 5:0 ein Tiebreak gegen jeden Spieler auf der Welt gewinnen - aber ich bin dann ein kleines Bisschen zu passiv geworden, er hat dann umso mehr Druck machen können. Und eine halbe Auflage auf den Satz hab ich vergeigt, einen relativ leichten Volley.

Auch wenn ich den zweiten Satz hätte gewinnen müssen: Im Endeffekt hat Cilic heute absolut verdient gewonnen, der Kerl ist einfach der bessere Tennisspieler. Der steht in den Top Ten, hat heuer - hab ich erst nachher erfahren - angeblich eine Bilanz von 17:1 Siegen. Dass Jürgen gegen ihn in der Stadthalle gewonnen hat, ist eine wirklich herausragende Leistung. Jürgen hat mir vor dem Match übrigens auch ein paar Tipps gegeben, echt gute Tipps übrigens, hat alles gestimmt. Nur das Problem ist: Gegen einen Spieler von dieser Klasse sind die Sachen, die du gegen ihn spielen musst, sehr schwer zu spielen.

Dubai war natürlich absolut super für mich. Die erfolgreich durchgekämpfte Quali, der superwertvolle Sieg über Lopez - und immerhin hab ich im zweiten Satz sogar gegen einen der derzeit absolut besten Spieler auf der Tour mitgehalten.

Heute Nacht geht um zwei Uhr 40 - wieder so eine angenehme Flugzeit - mein Flieger nach Wien. Dort komm ich um sechs hoffentlich halbwegs ausgeschlafen an, dann wird ein, zwei Tage pausiert, am Wochenende Fitness, Montag und Dienstag Tennis. Am Mittwoch geht's nach Amerika, wieder neun Stunden Zeitunterschied, mein Körper kennt sich wahrscheinlich bald gar nicht mehr aus. Ich freu mich aber auf Indian Wells: Mal sehen, ob ich meine gute Form dort wieder für ein paar ordentliche Resultate nützen kann.


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