Freitag, 4. September 2009

Daniel Köllerer ist zu seiner Leistung und zu seinem Benehmen im Zweitrundenspiel zu gratulieren. Nun stellt sich eine interessante Frage: Wie viel weiter kann es der Oberösterreicher bringen?

Ein Engel wird Daniel Köllerer nicht mehr werden. Das erwartet auch niemand von ihm. Im Gegenteil, als Spitzensportler ist das gar nicht besonders förderlich.

So sei es ihm vergeben, dass er sich auch gegen Cuevas seine obligatorische Verwarnung abholte. Und dass er nicht ganz ohne Kraftausdrücke auskam. Und vielleicht auch Linienrichter und Ballkinder immer noch nicht mit dem gebührenden Respekt behandelt.

Doch dieses Mal war alles im Rahmen, man musste sich zumindest nicht genieren. Köllerer überzeugte mit starker Leistung, zeigte sich höchstmotiviert und feuerte sich zumeist laut mit "Come on", "Vamos" und "Allez" an. Davon kann sich ein hinter ihm platzierter österreichischer Daviscupspieler einiges abschauen.

Nun stellt sich die Frage: Wie weit kann es Köllerer bringen? Seine technischen Möglichkeiten sind zweifelsohne limitiert, der extreme Vorhandgriff ist vor allem auf schnellen Plätzen ein Problem. Alles andere wie eine klare Niederlage gegen Del Potro wäre deshalb eine Überraschung.

Trotzdem kann sich Köllerer im Ranking weiter verbessern. Die richtige Einstellung zum Tennis, den Sport zu leben und niemals aufzugeben sind Eigenschaften, die mindestens genauso wichtig sind wie technische Perfektion.

Köllerers Problem wird immer sein Verhalten bleiben. Daran ändert ein ordentliches Match noch lange nichts. Und eigentlich ist es schade, dass es überhaupt spezifisch erwähnt werden muss, wenn sich Köllerer einmal halbwegs normal benimmt. Aber wenn er sich so wie heute gibt, ist einiges möglich, Top 50 sicher, vielleicht Top 40. Viel mehr aber nicht. Dazu fehlen ihm dann doch die technischen Möglichkeiten.


Ich bin für euch live bei den US Open. Anregungen, Beschwerden, und Sonstiges wie immer an redaktion@tennisweb.at oder stef.riecher@gmail.com.

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Stefan Riecher ist staatlich geprüfter Tennislehrer und ausgebildeter Schiedsrichter. Seit 2006 schreibt er für die Tageszeitung Die Presse, seit 2007 berichtet er aus New York, 2009 erstmals aus Flushing Meadows.


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