Sandbichler: "Challenger-Durchbruch nur mehr Frage der Zeit"
Acht Monate ist es her, seit Armin Sandbichler sein Südstadt-Engagement beendet und nach Tirol zurückgekehrt ist. Derzeit trainiert die aktuelle ÖTV-Nummer 13 und Nummer 557 der Welt in der NIKI PILIC Academy Austria in Walchsee. Für tennisweb.at zog der 24-Jährige eine Bilanz der letzten Jahre, sprach über sein Training und die nächsten sportlichen Ziele.

Armin, seit dem Auslaufen des Südstadt-Vertrages bist du in der Niki Pilic Academy in Tirol unter Vertrag. Wie sieht deine bisherige Bilanz aus?
Seit Oktober 2008 ist ja die Niki Pilic Academy Austria am Walchsee mein tägliches Trainingszentrum. Meine Bilanz sieht mit zwei Future-Finali, zwei ÖTV-Turniersiegen nicht schlecht aus, dennoch könnte sie besser sein. Aber durch mehrmalige wochenlange Erkrankungen war es mir fast nicht möglich, mehr zu erreichen bzw. mein Niveau zu halten.
Dein Vertrag in der Südstadt ist August 2008 ausgelaufen und nicht mehr verlängert worden. Was waren die Gründe für die Trennung?
Es ist mir wichtig hier klarzustellen, dass mein Vertrag in der Südstadt, nicht wie von vielen angenommen, nicht verlängert wurde, sondern, dass ich den mir im Sommer 2008 vorgelegten Vertrag nicht mehr unterschrieben habe. Der angebotene Vertrag hat sich wesentlich von den bisherigen Übereinkünften mit dem ÖTV unterschieden. Es wäre für mich nicht mehr leistbar gewesen, diese Summe Monat für Monat aufzubringen und deshalb habe ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Trainingsstützpunkt gemacht. Ich habe mich aber schon seit längerem in der Südstadt nicht mehr wohl gefühlt.
Wieso nicht?
Auf verletzte, kranke oder gerade außer Form befindende Spieler wird im nationalen Leistungszentrum kein Wert gelegt. Ich musste im abgelaufenen Jahr mit erheblichen gesundheitlichen Rückschlägen
(Anm. Blinddarm-, Bizepssehnenentzündung, zweifacher Bänderriss im Sprunggelenk) kämpfen. Nach Wiederaufnahme meiner internationalen Karriere musste ich wochen-, sogar monatelang ohne Turnierbetreuung auskommen. Es wurde sogar mein damaliger Coach für ein Doppelturnier beschickt, anstatt mit mir zu einem nahe liegenden Future zu fahren.
Trotzdem hast du dann in Telfs gewonnen und es stand ein Coach an deiner Seite.
Es war damals zwar ein ÖTV-Coach vor Ort, aber ich als Südstadt-Spieler wurde von ihm keine Minute gecoacht. Im vergangenen Dezember erfuhr ich von einem Redakteur einer Tageszeitung, dass er schon Anfang Juli 2008 aus einem Gespräch mit Gilbert Schaller von meinem Ausscheiden aus der Südstadt wusste. Und das, obwohl mir zwei Wochen später ein neuer Vertrag angeboten wurde. Mir stellt sich daher die Frage, ob die Vorgehensweise eines Sportdirektors richtig ist, wenn man zuerst mit den Medienvertretern anstatt mit dem betroffenen Spieler spricht. Diesbezüglich hätte ich mir mehr Professionalität gewünscht.
Alles in allem fällt dein Südstadt-Resumee ja nicht gerade positiv aus?
Ich bin eigentlich sehr froh und dankbar, dass ich vom damaligen Sportdirektor Stan Franker nach Abschluss der Matura in den ÖTV-Kader Südstadt aufgenommen und mir dadurch auch der Grundwehrdienst ermöglicht wurde. Anfangs lief es gut und ich verbesserte mich Monat für Monat im ATP-Ranking. Aber nach circa zwei Jahren wurde ich nur mehr als Zweck des "Sparring-Partners" in der Südstadt gehalten und es wurde auf andere Spieler ein größeres Hauptaugenmerk gelegt, was mich sehr enttäuscht hat. Im letzten Jahr meiner Südstadt-Zeit musste ich sogar eine Veränderung im konditionellen Bereich vornehmen. Ich verzichtete auf das Konditionstraining der Südstadt und ging zu meinem früheren Konditrainer Mag. Michael Gruber zurück. Ab da arbeitete ich mit ihm, extern und auf eigene Kosten einen individuellen Plan aus, um konditionell top in die Saison 2008 gehen zu können.
Worin liegen nun die Unterschiede zu deiner neuen Trainingsstätte?
Es hat sich einiges geändert. Ich kann nun zu Hause schlafen, fahre nur 25 Minuten zum Training. Es stehen mir Hart-, Teppich- sowie Sandplätze zur Verfügung. Die Kraftkammer sowie der Aufenthaltsraum werden dem Anspruch an ein professionelles Trainingszentrum mehr als nur gerecht. Mit meinem neuen Tennistrainer Markus Zoecke (Anm. ehemals Nummer 48 der Welt) und meinem langjährigen Konditionstrainer Mag. Michael Gruber habe ich ein kleines, professionelles Team an meiner Seite, das versucht, das Beste aus mir rauszuholen. Aber neben der Professionalität und harter, konsequenter Arbeit sollen auch Spaß und Freude am Tennis nicht zu kurz kommen.
Im Herbst 2007 hattest du dein Career High (ATP 421) erreicht, 2008 das Jahr auf Position 609 beendet, heuer hast du international als bestes Ergebnis ein Future-Finale in Portugal erreicht und liegst derzeit auf Rang 557. Was fehlt, damit du dich wieder deinem Career High näherst?
Grundsätzlich fehlt mir die nötige Gesundheit. Ich kann teilweise nicht zwei Wochen am Stück durchspielen ohne dass ich wieder etwas leiser treten muss. Im Jänner bei den Futures in Bergheim wollte ich anfangs gar nicht teilnehmen, da ich gravierende Probleme mit meinem Magen hatte. Mir wurde zeitweise schwindlig, ich hatte keine Kraft und war nach ein paar Games total ausgelaugt. Deshalb konnte ich auch meine Trainingsleistungen vom Dezember dort nicht abrufen. Vor den Portugal-Turnieren im März machte mir eine hartnäckigen Beinhautentzündung im Kiefer zu kämpfen. Danach hatte ich urologische Probleme und bekam Antibiotika, musste auch da pausieren. Zurzeit bin ich im vollsten Besitz meiner Kräfte, fühle mich gut, und ich hoffe, dass ich gesund bleibe, dann wird mein Career High auch bald fallen.
Zuletzt setzte es für dich jedoch eine klare Quali-Niederlage beim Monza-Challenger gegen Alberto Brizzi (ATP 285). Wie groß ist der Unterschied zwischen Future- und Challenger-Ebene?
Der spielerische Unterschied ist nicht so groß, sondern die Spieler sind auf Challenger-Niveau viel konstanter und schenken einem keinen Punkt. Die Qualifikationen sind zurzeit sehr stark besetzt. Wenn man sich vor Augen führt, dass kürzlich der Quali-Cut Off eines Challenger-Turniers ATP 380 war, sieht man, dass auch in der Qualifikation eine enorme Dichte ist. Meine Niederlage gegen Brizzi sehe ich als positiv an. Denn ich kann aus dieser Niederlage sehr gut lernen um diese Fehler das nächste Mal nicht mehr zu machen. Ich hatte zudem in dieser Partie sehr viele Break- und Gamebälle, welche ich aber nicht zu meinem Gunsten verwerten konnte und aufgrund ausgeglichener Trainingsergebnisse mit Alberto (Anm. Brizzi), weiß ich, dass ich Leute mit diesem Ranking jederzeit schlagen kann und dadurch der Durchbruch auf der Challenger-Ebene nur mehr eine Frage der Zeit ist.
Welche Ziele punkto ATP-Ranking peilst du 2009 an?
Primäres Ziel ist es gesund zu bleiben, was ich natürlich nicht beeinflussen kann. Nur dann kann ich meine Leistungen bringen und mich verbessern. Nächstes Jahr wäre es schön in Australien aufzuschlagen, was ein Jahres-Endranking von ATP 270 bedeuten würde.
Heuer hast Du hierzulande beim Walchsee Open und in Feldkirch triumphiert, beim letzteren im Endspiel ÖTV-Dominator Thomas Schiessling besiegt. Was deine Turnierplanung angeht: Wird man Armin Sandbichler in Zukunft auch auf nationaler Ebene sehen?
Dies hängt sicherlich von meinem Abschneiden auf internationaler Ebene ab. Falls ich viele Partien habe, werde ich diese Abwechslung sicherlich nicht suchen, denn primär stehen nach wie vor internationale Turniere auf meinem Turnierkalender.
Interview: Arek Piatek
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