tennisweb.at-Umfrage: Was ist möglich für Daniel Köllerer?

Die ATP-Weltrangliste vom 23. März spuckt Österreichs Nummer zwei Daniel Köllerer auf Platz 103 aus. Nie zuvor war der umstrittene Welser dem Ziel Top 100 so nahe. Nach den Hochs bei den ATP-Turnieren in Acapulco (Viertelfinale) und Indian Wells (zweite Runde) musste er jedoch in Miami (Grippe) und Napoli (Knöchel-Verletzung) wieder zwei Rückschläge hinnehmen. tennisweb.at möchte nun von Österreichs Tennis-Experten wissen, was in Daniel Köllerers Karriere tatsächlich noch möglich ist.

Andreas Du-Rieux, ORF-Tennis-Moderator
Daniel Köllerer sollte aufgrund seiner exorbitanten körperlichen
Voraussetzungen sowie seiner spielerischen Fähigkeiten bereits seit Jahren den besten 100 Tennisspielern der Welt angehören. Dass das nicht der Fall ist, macht mich als einen der wenigen auf die er zählen kann, mehr als nachdenklich. Zu sehen wie er stattdessen mit traumwandlerischer Sicherheit immer wieder auf Fettnäppchen zusteuert hat mich kaum noch hoffen lassen. Konkret zur Frage Stellung zu nehmen ist aber insofern schwierig, als Köllerer wohl manchmal das Niveau hat um einen Nalbandian zu schlagen, einen Roddick zu ärgern, aber aus offensichtlichen Gründen nicht in der Lage ist es regelmäßiger auszuspielen. Wenn er es schafft sein ungezügeltes Temperament in den Griff zu bekommen, seine Riesenleidenschaft positiver einzusetzen und mit seinen charismatischen Eigenschaften sich selbst und das Publikum mitzureißen, gilt auch für Daniel Köllerer das oft zitierte "Lotto-Motto": Alles ist möglich.

Christian Frühwald, LAOLA1.at
Die Top 100 traue ich Daniel Kölllerer in den nächsten Monaten auf alle Fälle zu. Um dieses Ziel zu erreichen, genügt ihm ja schon ein gutes Ergebnis in den nächsten zwei Monaten. Daniel hat sich in den letzten Jahren sicher unter seinem Wert verkauft. Er hat zwar gutes Tennis gespielt, sein "Kopf" hat ihm aber den ersehnten Durchbruch verwehrt. Nun scheint er seine mentalen Probleme endlich in den Griff bekommen zu haben. Das Potential für die Top 50 hat Daniel ganz gewiss auch noch. Dazu muss er aber seinen eingeschlagenen Weg nicht nur konsequent weiter gehen, auch das nötige Glück (Auslosungen, Verletzungen,...) darf ihn nicht verlassen. Für das österreichische Tennis wäre es auf alle Fälle eine tolle Sache, wenn es mit Daniel weiter nach oben gehen würde. Wenn er einmal in den Top 50 steht, wird man dann auch im Daviscup nur schwer an ihm vorbeischauen können.

Günter Bresnik, Koubek Coach
Daniel Köllerer gilt seit sechs bis acht Jahren als großes Talent und Kandidat für die Top 100. Eigentlich ist es eh schon eine Kunst in diesem Alter dieses Ranking knacken zu können. Sollte er sich jetzt mit guten Leistungen in den Top 70 etablieren können, sehe ich auch die ersten 50 für realistisch. Im Daviscup wird er es, egal wie gut er spielt, schwer haben. Das ist eine eingefleischte Truppe, dort hat er aufgrund seiner Persönlichkeit einen sehr schweren Stand. Verhaltensmäßig kann ich ihn im Moment schwer beurteilen, weil ich selbst wenig gesehen habe. Aber der Trainer von Andy Roddick, Larry Stefanki, war in Miami ein bisschen entsetzt. Ich persönlich fand sein Verhalten in diesem Match aber nicht schlimm, leider hat er international ein sehr angeknackstes Image.

Thomas Schiessling, ÖTV 14
Ich glaube, dass für Daniel noch einiges drin ist. Es gibt ja prinzipiell
keinen Grund warum er nicht auch dorthin kommen sollte, wo Werner Eschauer vor nicht allzulanger Zeit mal war. Ich glaube, das war so um die ATP 50. Das traue ich Daniel auf jeden Fall auch zu, die beiden haben ja einen sehr ähnlichen Spielstil. Vor allem auf Sand würde ich das bei Daniel schon so sehen. Wenn man sich vorstellt, wo Daniel jetzt steht nachdem ihn jeder, wirklich jeder, im österreichischen Tennis schon abgeschrieben hatte nach der zweiten längeren Sperre, dann ist das eine echt tolle Leistung nochmal zurückzukommen. Eine seiner wirklichen Stärken ist, dass gegen ihn niemand ein leichtes Match hat. Das hat auch letzens Nalbandian gemerkt, obwohl er schon klar geführt hat. Diese Stärke wird Daniel noch weit bringen weil es einfach extrem "ungut" ist gegen ihn zu spielen. Egal wann, wo und wie. Jeder weiß er muss ihn am Platz "umbringen" bevor er als Sieger feststeht. Ich weiß Daniel hat viel im mentalen Bereich gearbeitet und ich glaube es trägt auch schon Früchte, was man so hört. Ich bin sicher je mehr er sich auf den größeren Turnieren etabliert, desto weniger wird das Mentale ein Problem in der Zukunft sein.

Stefan Hirn, Sportproductions
Die Erfolge in Übersee waren wirklich beeindruckend: Zuerst Nalbandian in Südamerika geschlagen, dann beim Masters 1000-Turnier in Indian Wells zuerst qualifiziert und gegen Roddick ins Tiebreak gekommen, das ist stark, Hut ab! Auch vom Kopf her dürfte er gefestigt sein, man hat schon länger nichts mehr von ihm gehört. Jetzt hat er eben den Strapazen anscheinend Tribut zollen müssen. Aber die Top 100 wird er wohl kurzfristig schaffen, bei Losglück bei den kommenden Turnieren auf Sand kann er sogar zwischen 50 und 75 stehen. Da ist er schon live dabei in der geschützten Zone. Und wenn das passiert, wird es auch für Schaller schwer sein, an ihm vorbei zu kommen. Vor allem gegen starke Gegner auf Sand, denn dort schätze ich ihn schon jetzt als stärksten Österreicher ein, vor Melzer und Koubek.

Wolfgang Schranz, Head-Coach von T-Lab
Daniel hat das Jahr sehr gut begonnen, und sein Erfolg gegen einen Top 20-Spieler wie Nalbandian zeugt auch von seinem Potenzial. Für mich ist seine weitere Entwicklung eine Frage der Konstanz in seinem Verhalten. Wenn er ein Jahr lang auf Kurs läuft, dann traue ich ihm einiges zu, die Top 50 auf jeden Fall. Aber er ist nach wie vor eine tickende Zeitbombe, deshalb verstehe ich auch Gilbert Schallers Entscheidung ihn nicht für den Daviscup einzuberufen. Aber wenn Köllerer sein Verhalten bestätigt, dann ist er auch für den Daviscup ein Thema. Denn er ist ein verlässlicher Spieler, der immer seine Leistung bringt. Und auch ein super Typ, der Emotionen zeigt, solche Leute brauchen wir. Er hätte das Potenzial die Massen wieder anzuziehen und den Daviscup anzuführen.

Manfred Nareyka, Daniel Köllerers Manager
Für Daniel sind die Top 50 sicher drinnen, das weiß jeder, der sich im Tennis halbwegs auskennt. Es ist nicht das erste Mal, dass er gut spielt, die letzten Jahre ist er im Ranking aber immer zwischen 150 und 200 gestanden. Wenn man immer auf den Challengern herumfährt, ist das nicht so motivierend. Jetzt steht er aber kurz vor dem Einstieg in die Top 100, und so hat er Lunte gerochen. Er hat gesehen, dass er gegen Top-Spieler wie Nalbandian oder Roddick mitspielen kann, und das macht ihn noch ehrgeiziger. Demnächst wird es für ihn darauf ankommen, bei welchen ATP-Turnieren er in den Hauptbewerb reinrutscht und ob dort auch punkten kann. Im Juni muss er wieder viele Punkte verteidigen, also werden die nächsten Wochen und Monate sehr wichtig.

Peter Moizi, Kronen Zeitung
Wenn er konstanter wird und einen Lauf bekommt, dann traue ich ihm Top 75 bis maximal Platz 50 zu. Er ist nicht mehr der Jüngste und hat sich in der Vergangenheit selbst zu oft geschadet. Dass er aber weiterkommt, hängt davon ab, ob er im Kopf einen Sprung macht, beim Tennis hapert es bei ihm ja nicht. Im Daviscup führt an Jürgen Melzer und Stefan Koubek momentan kein Weg vorbei. Ein Viertelfinale in Acapulco reicht da nicht aus um einen der beiden wegzuräumen.


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