3:2-Sieg für Deutschland in Garmisch-Partenkirchen
In Runde eins der Weltgruppe I erwies sich Deutschland als abgebrühter. Jürgen Melzer verlor zuerst das entscheidende Spiel gegen Nicolas Kiefer, Stefan Koubek holte danach seinen zweiten Punkt. Melzers mentale Schwächen stehen im Mittelpunkt der Diskussionen.

Auch Jürgen Melzers zweites Einzel beim Daviscup-Duell zwischen Österreich und Deutschland in der Weltgruppe I stand unter einem schlechten Stern. Der Deutsch-Wagramer unterlag Nicolas Kiefer, der für Rainer Schüttler eingesprungen war, mit 6:7 (3), 4:6, 4:6. Im direkten Vergleich der beiden hat Kiefer nun schon acht Mal gewonnen, Melzer noch kein Mal. Im vierten Einzel siegte Stefan Koubek gegen den deutschen Debütanten Christopher Kas sicher mit 6:2, 6:3. Somit lautet der Endstand 3:2 für Deutschland.
Chancen über Chancen
Melzer hatte in der etwa 4000 Zuschauer fassenden Halle in Garmisch-Partenkirchen wieder zahlreiche Möglichkeiten, in den entscheidenden Situationen spielten ihm die Nerven jedoch einen Streich. Im ersten Durchgang schlug er bei 5:4 auf den Satz auf, mit einem Doppelfehler gab er das Service ab. Nach der Abwehr eines Satzballes bei 5:6 holte sich Kiefer das Tiebreak mit 7:3. Auch in den folgenden Sätzen hatte Melzer einige Chancen am Schläger, die Big Points gingen wiederum an Kiefer.
Schaller bitter enttäuscht
Kiefer wurde mit dem Sieg zum 3:1 zum Matchwinner der Deutschen. Schon beim Doppel-Erfolg mit Philipp Kohlschreiber am Samstag zeigte er nach zwei Monaten Verletzungspause eine hervorragende Leistung. Auf der anderen Seite schritt ÖTV-Daviscup-Kapitän Gilbert Schaller sichtlich gezeichnet zum Interview: "Das ist genauso bitter wie meine Niederlage bei den French Open 1995, als ich in der ersten Runde Sampras geschlagen und in der zweiten nach Matchball noch verloren habe." (Anm.: Niederlage gegen Scott Draper)
Antonitsch kritisch
ORF-Co-Kommentator Alexander Antonitsch fand danach kritische Worte: "Die mentalen Probleme ziehen sich wie ein roter Faden durch Jürgens Karriere. Aber es ist ja nicht so, dass er sich dem Problem nicht bewusst ist. Ich hoffe also, dass er am mentalen weiter arbeitet, und dass es sich bessert." Seine Schwächen seien außerdem schon allgegenwärtig bekannt: "Die Gegner wissen mittlerweile auch schon darüber Bescheid, dass sie bei ihm immer dran bleiben müssen. Sie denken sich: Irgendwann kommen schon die Geschenke."
Wolner hebt Positives hervor
ÖTV-Präsident Ernst Wolner analysierte sachlich: "Die Niederlage ist natürlich bitter: Es war ein Wochenende der vergebenen Chancen. Trotzdem muss man positiv anmerken, dass das gesamte Team diese Woche sehr hart gekämpft hat, und wir hatten super Fans. Jetzt müssen wir eben wieder in die Relegation, und Gilbert wird alles geben, dass wir den Klassenerhalt wieder schaffen."
Kühnen glücklich
Der Kapitän des DTB-Teams Patrik Kühnen zeigte sich mit der Leistung seiner Mannen sehr zufrieden: "Die Mannschaft hat gegen ein starkes österreichisches Team gezeigt, wie stark ihre Geschlossenheit ist. Die Wende in diesem Duell war im ersten Match von Melzer. Dass Kohlschreiber das Match gedreht hat, hat uns enormen Auftrieb gegeben." Zu dem Argument, dass Deutschland die klügere Doppel-Aufstellung gewählt habe, meinte Kühnen: "Kas hatte Probleme an der linken Schlaghand, er war auch heute getapt. Kohlschreiber war psychologisch obenauf, daher war die Entscheidung klar." Nächster Gegner der Deutschen ist Spanien, das gegen Serbien die Oberhand behielt.
Die tennisweb.at-Ergebnisse aus Garmisch-Partenkirchen:
zurück zur Übersicht
|