Eintrag 488: Donnerstag, 26. Februar, Delray Beach

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je so gut serviert hätte.

6:4, 6:3 gegen Yen-Hsun Lu, hier in Delray Beach die Nummer acht, in der ersten Runde Sieger über Lleyton Hewitt - das kann sich sehen lassen. Dabei war der Anfang wieder ziemlich bescheiden: Ich bin mit dem Wind nicht wirklich zurecht gekommen, hab viele Bälle mit dem Rahmen getroffen, war 2:4 hinten.

Aber dann hab ich mich richtig gut gefangen. Vor allem hab ich mich auf sein Spiel sehr gut eingestellt: Auf hohe Spin auf die Rückhand hat er zu 90 Prozent cross gespielt, die Vorhand aus dem Lauf fast ausschließlich cross (aber die so gut, dass ich am Anfang wirklich Probleme gehabt habe). Die Rückhand von ihm ist der solidere Schlag, die Vorhand der gefährlichere.

Wie gesagt hab ich mich dann ordentlich gefangen, bin von 2:4 auf 6:4 und 3:0 davon gezogen. In dieser Phase hab ich wirklich gut gespielt, sehr solid von hinten. Und vor allem hab ich sehr, sehr gut serviert. Ich hab mir die Statistik nachher nicht angeschaut, aber gefühlsmäßig war das mindestens ein Ass pro Game, teilweise sogar zwei, drei. Ich kann mich nicht erinnern, je so gut serviert zu haben.

Ich fühl mich hier wirklich sehr gut - ein Viertelfinale ausgerechnet in der Woche, in der ich meine letzten Punkte von vor der Operation verliere. Ich muss sagen, ich bin schon ein bisschen stolz, wie gut ich mit dem Druck umgehe, den ich grad habe: Acht Turniere kann ich mit dem protected ranking spielen, dann müsste ich schon mindestens 150 stehen, damit ich wenigstens bei den großen Challengern reinkomme.

Und bisher hab ich bei allen die erste Runde überstanden, hab danach gegen Leute verloren, gegen die man verlieren darf: Monfils, Stepanek, sogar das 6:7 im dritten Satz in Zagreb gegen Dodig hat sich im Nachhinein relativiert.

Hier könnte es aber von mir aus ruhig noch weiter gehen: Es ist ja bekannt, dass der Christophe Rochus nicht unbedingt mein Angstgegner ist. Natürlich liegt er mir normalerweise, aber er ist ein talentierter, gefährlicher Bursche - und wer hier einen Querrey rausnimmt, der kann schon was. Ich bin auf jeden Fall extrem vorsichtig: Ich weiß, wie wichtig jeder Sieg in dieser Phase ist.

Heute hab ich fast Ruhetag: In der Früh hab ich mit Strengi auf dem Privatplatz von meinem Freund Gabe trainiert, bei dem ich diese Woche wohne. Den Rest des Tages machen wir einen Kulturtag auf amerikanisch: Wir werden einmal schauen, was in den Shoppingmalls hier so los ist.

CU auf tennisfabrik.at!

Euer Stefan Koubek


zurück zur Übersicht