Eintrag 471: Dienstag, 28. Oktober, Wien

Den ersten Satz nach dem Comeback gewonnen ... aber aufs erste Match fehlen noch ein paar Details. (Und zwar ziemlich wichtige Details.)

Mir wird jetzt vor allem eines immer klarer: wie weit und wie zäh der Weg vom wieder-Spielen-können zum wieder-richtig-gut-Spielen-können ist. Gestern in Aachen hab ich wieder einen Schritt vorwärts gemacht, aber zum ersten Sieg hats noch nicht gereicht: 4:6, 6:4, 3:6 gegen Stephane Bohli aus der Schweiz.

Der Boden in Aachen ist ein sehr schneller Teppich, entsprechend wenig Breaks hat's gegeben: in jedem Satz eines. Im ersten Satz hab ich meines bei 4:5 kassiert - unnötig, weil ich zu zaghaft gespielt habe. (Natürlich ein Klassiker, wenn die Matchpraxis fehlt.) Im zweiten hat er bei 3:3 und 30 beide netterweise zwei Doppelfehler serviert, im dritten war's richtig eng: Das Break zum 2:4 war unglücklich - da haben sich ein paar Rahmenbälle von ihm und ein wirklich blödes Overruling vom Umpire auf ein Game konzentriert. (In der Umkleide hat Bohli selber nachher zugegeben, dass der Ball gut war.) Und wie das auf einem so schnellen Boden oft so ist: Es haben letztlich nur zwei, drei glückliche Bälle entschieden.

Wer mich aber in Wien gesehen hat und hier, der hat zwei verschiedene Spieler gesehen. Der Koubek von Wien war ängstlich, überfordert, unsicher in den Schlägen - da hat alles gefehlt. Der Koubek von Aachen kann servieren, retourniert auch den einen oder anderen ersten Aufschlag, spielt von der Grundlinie die Rallyes seriös mit und bewegt sich wieder so gut, dass er nicht bei jedem zweiten Ball einen Notschlag produzieren muss.

Sagen wir so: Der Koubek von Wien war 20 Prozent, der Koubek von Aachen ist schon bei 60 Prozent - und im Training bin ich schon bei, naja, 60, 70 Prozent, in wenigen Momenten schon bei 80 oder 90. Was aber auch dem Koubek von Aachen im Match noch total fehlt, das ist die Selbstverständlichkeit im Spiel - dass man den richtigen Ball intuitiv spielt, völlig ohne Nachdenken. Bei ein paar Auflagen war es wirklich so, dass ich mich beim Grübeln erwischt hab: longline oder cross? Gegenfuß oder Brett? Und das Ergebnis war dann natürlich irgendwas Halbes.

Unterm Strich: Die Vorstellung von Aachen war okay genug, um ein Fortschritt zu sein. Aber noch nicht okay genug, um gegen einen Spieler aus den Top 150 zu gewinnen. Den Rest der Woche verbring ich mit Training, heuer gibt's noch drei Turniere: Eckenthal, Dnjepropetrowsk und Helsinki. Bis zu den 100 Prozent ist der Weg noch weit, aber die Richtung stimmt.

CU auf tennisfabrik.at!

Euer Stefan Koubek


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