On Tour - Folge 32 mit Martin Fischer aus Wien

Nach seinem sensationellen Auftritt gegen Juan-Martin del Potro bei der BA-TennisTrophy war Martin Fischer bei den Tennisfans in aller Munde. Ein paar Tage danach lässt Martin das spezielle Erlebnis Revue passieren.

Samstag, 11. Oktober 2008, Wien

Es war was Spezielles!

Endlich konnte ich eine ruhige Minute finden, in der ich euch meine Eindrücke vom Mittwoch schildern kann. Es war ein ganz besonderer Tag, ich habe es sehr genossen. Aber schön der Reihe nach!

Geschlafen habe ich eigentlich gut. Vor zwei Jahren, vor dem Match gegen Tommy Haas, hatte ich noch so meine Schwierigkeiten zu Ruhe zu kommen. So gegen 11 Uhr 15 habe ich mit Ernest Gulbis 40 Minuten am Center Court eingeschlagen, von da an begann eigentlich das Warten. Man versucht sich so gut wie's geht aufs Match einzustellen, auf alle Situationen mental vorbereitet zu sein. Nachdem sich die Partie vor mir noch ordentlich in die Länge zog, gings dann endlich los: Überraschenderweise war ich gar nicht so nervös wie zuerst angenommen, die Freude auf das Match überwog. Das erste Mal live im Fernsehen, das erstemal gegen einen Spieler aus den Top 10, und dann durfte ich in diese Halle! Zum Glück erwischte ich einen guten Start, da geht dann natürlich vieles gleich einfacher. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt, ob ich um jedes Game froh sein muss oder ihn doch ernsthaft ärgern kann. Wenn du dann einmal bei 3:3 bist, ist die Angst vor einem Debakel schon weg. Mit diesem Publikum im Rücken spielte ich mich in einen Rausch und merkte plötzlich, dass sogar ein Sieg drinnen ist. So arbeitete ich mich von Punkt zu Punkt, versuchte alles. Die Stimmung war unglaublich, ich versuchte jeden Moment da drinnen aufzusaugen. Leider war es dann er, der im Tiebreak das bessere Ende für sich hatte. Bei 7:6 fand ich sogar einen Satzball vor, der wohl nur um Haaresbreite im Aus landete. Es war nicht immer ganz leicht die Spannung aufrecht zu erhalten, die Partie kostete einiges an Kraft. Angetrieben von den Zuschauern, erlebte ich immer wieder Kraftschübe in Satz zwei. Vom Spielverlauf her war er aber mit dem ersten Satz gar nicht zu vergleichen. So gab es im ersten gar kein Break, im zweiten auf beiden Seiten drei. Ich merkte ihm die Müdigkeit ein wenig an, ich wollte ihm keinen leichten Punkt geben. Zuerst führte ich 2:0 mit Break, dann übernahm er das Kommando und zog auf 4:2 davon. In diesem Game hatte er 40:15 bei eigenem Aufschlag, das Spiel war so gut wie entschieden. Doch ich kämpfte um jeden Ball, wollte nichts unversucht lassen. Ich nutzte meine beste Phase und schlug bei 5:4 auf den Satz auf. An dieser Stelle bezahlte ich wohl noch für meine Unerfahrenheit, meine mit Abstand schlechtesten zwei Games. Doch nach Abwehr von zwei Matchbällen rettete ich mich ins Tiebreak, in dem ich bei 5:4 und zweimal Aufschlag für mich nochmals alle Trümpfe in der Hand hatte. Trotzdem ging ich ohne Satzgewinn aus der Stadthalle, aber mit einem unvergesslichen Erlebnis im Gepäck. Das war etwas, auf dem ich aufbauen kann, das wieder Motivation in schwierigeren Zeiten gibt. Ich denke, ich habe mich gut verkauft und auf diese Weise die Wildcard gerechtfertigt.

Das anschließende Doppel war leider nicht zu gewinnen. Ich hatte gerade einmal 90 Minuten für Interview, Pressekonferenz, Essen, Lockern und dann wieder neue Spannung aufzubauen. Zudem war die Halle B anders zu spielen, das war zum Scheitern verurteilt. Ich verstand auch nicht ganz, wieso sie beides an einem Tag angesetzt hatten, Zeit wäre genug gewesen. Wir müssen es so nehmen, diesen Tag werde ich trotzdem in guter Erinnerung behalten.

Schade fand ich, dass der gute del Potro dann am Donnerstag gar nicht mehr antrat, das hätte er sich doch auch vorher überlegen können. Für mich geht es auf alle Fälle nächste Woche nach Dänemark. Ich versuche an meine Leistungen anzuknüpfen und den Schwung für das Saisonende mitzunehmen. Euch vielen Dank für die vielen positiven Mitteilungen, schön wenn man sieht wieviele Leute das mittlerweile schon interessiert...

Greets Martin

Der direkte Link zur Activity von Martin Fischer.


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