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Eintrag 469: Donnerstag, 9. Oktober, Wien
Wie ich mit ein bisschen Abstand die Stadthallen-Partie sehe. Und wie es jetzt weitergeht.

Gestern war ich insgesamt ziemlich geschlaucht von der Partie, hatte sogar einen Muskelkater im Schlagarm ... und das nach zwei kurzen Sätzen. Das zeigt schon, dass ich von einem vernünftigen Fitness-Level meilenweit entfernt bin. Ich war dann am Vormittag eine Stunde laufen, hab am Nachmittag zwei Stunden trainiert. Und ich war von Anfang an ziemlich motiviert: Jetzt den Kopf hängen zu lassen, wäre die ganz falsche Reaktion.
Wenn man die Partie gegen Giraldo noch einmal Revue passieren lässt, ist vor allem der Anfang ein Wahnsinn. Ich war komplett überfordert, hab bis 1:6, 0:4 gebraucht, um annähernd ein Gefühl für die Partie zu kriegen, um eine Idee zu kriegen, was ich spielen soll. Natürlich sind hohe Vorhand-Topspin cross nicht das eleganteste Mittel, aber ich habe den Ball dann wenigstens ins Feld gespielt.
Irgendwie witzig war, dass er sogar richtig nervös geworden ist, als ich von 0:4 auf 2:4 herangekommen bin; und wenn ich meine Breakbälle auf 3:4 gemacht hätte, wäre das vielleicht alles noch gekippt. Aber das ändert am Grundsätzlichen nichts: Der Unterschied zwischen einem Trainings- und einem Turniermatch ist für mich wie Tag und Nacht. Wer mich in der Stadthalle gesehen hat, würde nie auf die Idee kommen, dass ich einen Sparringsatz gegen Ernests Gulbis gewonnen hab.
Jetzt geht es in erster Linie drum, dass ich so fit werde, dass ich weiß, ich kann jeden Gegner niederrennen. Ich muss mit dem Gefühl auf dem Platz stehen, dass ich im Notfall die Vorhand hundertmal cross spielen kann ... und wenn er longline schießt, bin ich schnell genug, um die Kugel eben mit der Rückhand zurück zu schlapfen. Das einzige, was ich im Moment schnell bin, ist schnell müde.
Der Rest folgt dann, wenn die Fitness passt, Schritt für Schritt mit der Zeit: besser servieren, die Chancen verwerten, druckvoller spielen, wichtige Punkte sicher spielen. Da werde ich Geduld brauchen. Wie ich zum Beispiel die Breakbälle auf 3:4 versemmelt hab, war bezeichnend: Ich wollte den Ball unbedingt einfach nur sicher ins Feld schieben ... und hab gerade deswegen den Anfängerfehler gemacht.
Wie geht’s jetzt weiter? Meine Anfrage nach einer Quali-Wildcard für Madrid wurde erwartungsgemäß abgelehnt. Wenn ich trotzdem reinrutsche, flieg ich trotzdem runter, auch kurzfristig. Jedes einzelne Match ist im Moment Gold wert. Auch wenn ich, wie ich eh am Dienstag schon gesagt habe, noch einige Watschen kassieren werde.
Noch einmal betonen muss ich, wie dankbar ich dem Publikum in Wien bin, dass sie so human zu mir waren. In so einer Situation könnte man auch ziemlich ausgepfiffen werden. Ich hab da im nächsten Jahr wirklich was gut zu machen ...
CU auf tennisfabrik.at!
Euer Stefan Koubek
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